Mit dem Strukturprogramm ARTplus startet EUCREA 2015 ein zweijähriges Modellvorhaben in Hamburg, das darauf abzielt, die Arbeits- und Ausbildungssituation behinderter Künstler im Kulturbetrieb zu verbessern.

Die Kunst behinderter Menschen erfährt seit Mitte der achtziger Jahre in Deutschland ein starkes öffentliches Interesse. Insbesondere in den Metropolen haben sich in den vergangenen drei Jahrzehnten Institutionen, Vereine und Werkstätten etabliert, die behinderte Menschen künstlerisch dauerhaft fördern. Nicht zuletzt dieser Kontinuität ist es zu verdanken, dass viele Projekte und einzelne ihnen angeschlossene Künstler weit über Deutschland hinaus bekannt geworden sind.

Inklusives künstlerisches Arbeiten innerhalb dieser spezifischen Einrichtungen stellt heute keine Ausnahme mehr dar. Im Regelbetrieb der privaten und öffentlichen Kultureinrichtungen, wie z.B. Theatern, Ateliers oder Kunsthochschulen, sind behinderte Kreative allerdings kaum oder gar nicht zu finden. Behinderte Künstler, Behindertenhilfe und Kulturbetrieb existieren innerhalb der Metropolen in Form von Parallelwelten ­– Überschneidungspunkte gibt es nur wenige.

EUCREA startet mit Unterstützung der Kulturbehörde Hamburg und zahlreichen weiteren Kooperationspartnern inhaltliche und strategische Maßnahmen, die insbesondere Künstlern mit geistigen und psychischen Behinderungen den Weg in etablierte Kultureinrichtungen und kulturelle Ausbildungsstätten ebnen soll. Die Stadtstaatmetropole Hamburg dient für die von Juni 2015 bis Dezember 2016 währende Modellphase als Modellregion.

Zu den acht exemplarisch geplanten Maßnahmen zählen Praktikumsmöglichkeiten und Honorarjobs bis hin zu ausgelagerten Arbeitsplätzen für behinderte Schauspieler in privaten und öffentlichen Theatern. In den bildenden Künsten widmet sich das Programm den Ausstellungsmöglichkeiten für behinderte Künstler sowie der Teilnahme an inklusiven Künstlergemeinschaften außerhalb der Werkstätten. Ferner soll eine Partizipation an öffentlichen und privaten Kunsthochschulen in den bildenden und darstellenden Künsten erprobt werden. Auch die musische Bildung wird ein Themenfeld sein: Bisher mangelt es an Möglichkeiten für behinderte Menschen, an Instrumental- oder Gesangsunterricht teilzunehmen.

Die Ergebnisse des wissenschaftlich begleiteten Programmes werden in Form von Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Diese sollen in Form von Vorträgen, Workshops und Druckmaterialien an Kulturverantwortliche in Deutschland weitergegeben werden. Zu den Multiplikatoren zählen neben kommunalen Ämtern und Kulturhäusern auch privatrechtliche Stiftungen, Bundesbehörden und öffentliche Vereinigungen.

Ein Programm von EUCREA in Kooperation mit der Kulturbehörde Hamburg und alsterarbeit gGmbH. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages und der Gebr. Heinemann SE & Co. KG