EUCREA: Strukturprogramme Kunst und Inklusion

Mit seinen Strukturprogrammen hat sich EUCREA langfristig zum Ziel gesetzt, das Ausbildungs- und Arbeitsangebot für künstlerisch talentierte Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen im deutschsprachigen Raum zu erweitern und zu verbessern. Ob vor oder hinter den Kulissen: Künstler mit Beeinträchtigung sollten in allen Bereichen des kulturellen Lebens sichtbar werden – sei es in der Kulturvermittlung, dem künstlerischen Betrieb oder der akademischen und nichtakademischen Ausbildung. EUCREA ist davon überzeugt, dass das kulturelle Leben in Deutschland an kreativem Reichtum gewinnt, wenn möglichst viele Mitglieder unserer Gesellschaft einbezogen werden. Die künstlerische Ausbildung von Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten sollte als eine Bereicherung für die Vermittlungsarbeit erkannt werden, und die bestehenden Ausbildungsgänge sollten zu mehr Methodenvielfalt anregen.

Angebotsvielfalt erweitern

EUCREA verfolgt die Strategie, keine neuen „Sonderformate“ zu entwickeln, sondern die bestehenden Institutionen für die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen zu sensibilisieren und mit diesen gemeinsam Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, wie mehr Zugänglichkeit in Zukunft erreicht werden kann.

Aktuell wird die Möglichkeit der künstlerischen Ausübung fast ausschließlich in Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) angeboten. Viele der dort arbeitenden Künstler haben ihre Fähigkeiten überwiegend autodidaktisch erworben und nur selten an beruflicher Qualifizierung außerhalb der WfbM teilgenommen. Ihre künstlerische Erfahrung erweitern sie häufig durch praktische Tätigkeit, als „Berufskünstler“ werden sie vom Publikum an ihren künstlerischen Leistungen gemessen. Nicht nur die Teilhabe an künstlerischer Praxis wird ohne berufliche Qualifizierung erschwert, auch im Bereich der Kulturvermittlung sind Künstler mit Beeinträchtigung schlechter gestellt, wenn ihnen grundlegende Bildungsinhalte nicht zugänglich sind.
Mit ARTplus arbeitet EUCREA bundesweit daran, dass Menschen mit künstlerischer Orientierung mehr Möglichkeiten finden, ihre Talente auszubilden und beruflich zu nutzen – sei es innerhalb oder außerhalb einer WfbM. Der Wunsch, professionell künstlerisch tätig zu werden, sollte für einen Menschen mit Beeinträchtigung nicht automatisch ein Arbeitsleben im Rahmen einer WfbM bedeuten. Hier für mehr Vielfalt zu sorgen, ist eines der Anliegen von ARTplus.

Sensibilisierung von Kulturakteuren, Politik und Öffentlichkeit

Die Strukturprogramme von EUCREA zielen darauf ab, Politik, Verwaltung und Kulturakteure im deutschsprachigen Raum für die Diversität im Kulturbetrieb zu sensibilisieren, und aktiviert Kooperationspartner in ganz Deutschland in das Thema einzusteigen. EUCREA setzt sich bundes- und landespolitisch für eine Diversifizierung des Kulturbetriebs ein und vertritt in diesem Rahmen insbesondere die Interessen von Künstlern mit Beeinträchtigung.

Darüber hinaus geht es auch darum, Sehgewohnheiten zu verändern. Auf der Bühne und im Film zählen Darsteller mit Behinderung oftmals zu den „Exoten“ und werden häufig für solche Rollen besetzt. In Kunsthochschulen sind Künstler als Kommilitonen und als Mitglieder des Lehrkörpers weitgehend unbekannt. Im Kulturbetrieb und seiner Außendarstellung bedarf es eines langfristig angelegten Umdenkungsprozesses: Vielfalt sollte in der Öffentlichkeit als Stärke und nicht als Schwäche wahrgenommen werden.

EUCREA hat 2015/2016 eine erste Projektphase im Modellraum Hamburg gestartet mit dem Ziel, Künstler mit Beeinträchtigungen und Kulturinstitutionen miteinander in eine Kooperation zu bringen. Anhand von einzelnen Modellfällen sollten exemplarisch Umsetzungsstrategien erprobt werden.

An dem Projekt beteiligten sich 2016 zunächst sieben Hamburger Kulturinstitutionen, neue Partner sind inzwischen dazu gestoßen. Erste, auch außerhalb des Projektzeitraumes funktionierendes Angebote, konnten somit erreicht werden.

Mehr über das Modellprojekt Hamburg erfahren Sie hier.