ARTplus ist ein Modellvorhaben, das EUCREA 2015 in Hamburg begonnen hat. Es zielt darauf ab, die Arbeits- und Ausbildungssituation von Künstlern mit Behinderung  zu verbessern. Anhand einzelner Beispiele soll gezeigt werden, wie diese und der allgemeine Kulturmarkt stärker zusammengebracht werden können.

Eigentlich ist es ganz einfach: ARTplus ist vor allem ein Kommunikationsprojekt, ein  Vorhaben, in dem kulturelle Institutionen der Stadt, Künstler mit Behinderung sowie deren Arbeitsträger miteinander ins Gespräch kommen - und man gemeinsam darüber nachdenkt, wie eine zukünftige Zusammenarbeit aussehen könnte. Und dann fängt man an. Probiert aus, stellt Fragen, sucht nach Lösungen. Und erlebt und zeigt, was geht.
Ganz einfach – aber eben auch nicht. Wir erwarten zunächst – wenngleich auch keine Ablehnung – so zumindest doch Verunsicherung und Befürchtungen bezüglich eines starken Mehraufwandes seitens der Kulturinstitutionen. Genau zwischen diesen beiden Polen bewegen wir uns, als wir 2015 versuchen, Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Kulturbehörde Hamburg für das Vorhaben ARTplus zu gewinnen.
An strukturellen Verbesserungen für Künstler mit Behinderung in Deutschland zu arbeiten, war seit langem ein Anliegen von EUCREA.
Solange Bildung und Kultur außerhalb von Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) für die überwiegende Zahl künstlerisch talentierter Menschen unzugänglich bleiben, kann kein Quantensprung gelingen – weder in künstlerischer, noch in gesellschaftlicher Hinsicht.

Der Begriff der Inklusion ist seit einigen Jahren öffentlich etabliert und doch herrscht nach wie vor viel Unklarheit darüber, wie eine inklusive Gesellschaft erreicht werden kann. Die UN-Behindertenrechtskonvention hat dazu beigetragen, dass sich Ämter, Politiker und Institutionen dem Thema gegenüber stärker verpflichtet fühlen. Aber verlässt man die Szene der Personen, die sich direkt mit dem Thema Inklusion beschäftigten, sind wirkliche Veränderungen kaum zu spüren. Nach wie vor herrscht Unklarheit darüber, wie sich Menschen mit und ohne Behinderungen gleichberechtigt begegnen können. Wie machen wir deutlich, dass Vielfalt eine Gesellschaft stärkt und nicht schwächt? Inklusion ist eben nur dort machbar, wo sich eine gesamtgesellschaftliche Haltung ändert, ein Umdenken auf vielen Ebenen stattfindet.


ARTplus: Möglichkeiten erweitern
Mit dem Programm ARTplus setzen wir uns zum Ziel, an einer ersten, schrittweisen Erweiterung der Möglichkeiten für Künstler mit Behinderung zu arbeiten.
Künstlerische Fähigkeiten werden von Menschen mit Behinderung häufig autodidaktisch oder innerhalb einer WfbM in der täglichen Praxis erworben. Dies ist mit einer Qualifizierung an einer Kunsthochschule sicher nicht vergleichbar. Der auf der Bühne stehende Schauspieler wird an seiner künstlerischen Leistung gemessen, will er überzeugen. Ein Musiker mit Behinderung, der einen Workshop an einer Schule geben möchte, muss über musikalische Grundkenntnisse verfügen. Ein bildender Künstler erweitert seine Möglichkeiten, wenn er mehr Techniken erlernt, mit denen er seine Ideen umsetzen kann.

EUCREAs Strategie war zunächst, im lokalen Umfeld zu beginnen, da, wo wir bereits über Kontakte und Ansprechpartner verfügen. Damit waren für diese erste Arbeitsphase unsere Zielgruppe zunächst Künstler, die in Hamburger WfbM einen Arbeitsplatz haben. Wichtig war uns, in möglichst unterschiedlichen Kunstbereichen (Theater, Tanz, Bildende und angewandte Kunst, Musik) Beispiele zu entwickeln. Und ebenso, eine Vielfalt an Institutionen einzubinden, von privaten bis zu öffentlichen Ausbildungsträgern, Theatern und Ausstellungspartnern. Will man in diesem Thema Bewegung erreichen, gilt es Fäden auf allen Ebenen zu ziehen: Politik, Verwaltung, Behindertenhilfe, Kunstbetrieb, Schulen und Ausbildungsstätten.

Schon einmal vorweg: Wir sind auf mehr Unwissenheit und Unsicherheit gestoßen, als wir anfangs dachten, aber zum Glück auch auf mehr Offenheit und Interesse, als zunächst erwartet.

Inklusion – wenn nicht in der Kunst, wo sonst?

 

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