ART+ künstlerische Ausbildung und Qualifizierung für Menschen mit Behinderung

    EUCREA beginnt Bildungsprogramm in Kooperation mit vier Bundesländern

    Lange überfällig und nun endlich da: EUCREA beginnt mit rund 25 Organisationen in den Bundesländern Niedersachsen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bremen die erste umfassende Offensive zur künstlerischen Qualifizierung und zur Ausbildung von Menschen mit Behinderung. Ziel des dreijährigen Programmzeitraums ist es, modell-haft Teilhabe von Menschen mit Behinderung an künstlerischen Ausbildungsinstituti-onen in den beteiligten Bundesländern zu erproben. Aufgezeigt werden soll, wie künstlerische Bildung für Menschen mit physischen, Sinnesbehinderungen oder Lernschwierigkeiten auch außerhalb der Behindertenhilfe in Deutschland dauerhaft zur Verfügung gestellt und Teilhabe erreicht werden können. Für das Programm konnte EUCREA schon jetzt viele namenhafte Ausbildungsinstitutionen in allen künst-lerischen Sparten gewinnen, die mit EUCREA das Interesse verfolgen, ihr Angebot auch den Menschen zur Verfügung zu stellen, die eine Ausbildung in einer Kunsthochschule sonst nicht in Betracht ziehen würden.

    Artplus wird zentral von EUCREA koordiniert und veröffentlicht, in den einzelnen Bundesländern wird es von unterschiedlichen Akteuren gesteuert: in Nordrhein-Westfalen durch das käthe:k Kunsthaus  sowie in Bremen von tanzbar Bremen e.V. Die Koordinierung der Kooperationen in Hamburg und Niedersachsen übernimmt EUCREA selbst.

    Online-Info-Vormittag ART+ AM 30.11.2021

     
    Logo Power of the Arts 2021 - EUCREA ist mit ARtplus Preisträger

    Ausbildung und Qualifizierung: Warum Jetzt?

    Selbstständige, von der Behindertenhilfe unabhängig agierende Kreative mit Beein-trächtigungen bilden in der deutschen Kulturlandschaft eher eine Ausnahme. Meistens handelt es sich dabei um Personen mit physischen Behinderungen, selten aber um Menschen mit Sinnesbehinderungen oder Lernschwierigkeiten. Auch im Bereich der Kulturvermittlung – von der kulturellen bis zur akademischen Bildung – sind Kunst-schaffende mit Behinderungen kaum zu finden.

    Ein entscheidender Grund für die parallele Entwicklung von künstlerischen Aktivitäten innerhalb der Behindertenhilfe und im Kulturbetrieb ist, dass kreative und künstlerisch talentierte Menschen mit Behinderungen, die sich außerhalb der Behindertenhilfe beruflich qualifizieren wollen, kaum Angebote hierfür finden. Das bestehende Aus-bildungsangebot in Deutschland ziehen viele für sich nicht in Betracht, es fehlt an Kenntnissen zu Zugangsvoraussetzungen und Unterstützungsleistungen. So bleibt für diese Gruppe meist nur die Möglichkeit, künstlerische Arbeitsplätze innerhalb der Behindertenhilfe zu nutzen oder an Angeboten im Freizeitbereich teilzunehmen.

    Künstlerische Ausbildungsinstitutionen haben häufig wenig Berührungspunkte mit Interessierten mit Behinderung, da es meist gar nicht zu einer Bewerbung kommt. Andere Studierende mit Behinderung verstecken ihre Einschränkungen, um während und nach der Ausbildung nicht stigmatisiert zu werden und Benachteiligungen zu erfahren.

    Die zunehmende Forderung nach einer Inklusion im Arbeitsleben ist ohne qualifizierte Ausbildung nicht denkbar und führt aktuell zu einer doppelten Benachteiligung des Personenkreises. Finden Ausbildung und Qualifizierung ausschließlich in exkludieren-den Strukturen statt, wird der spätere Zugang zu einer beruflichen Tätigkeit zusätzlich erschwert. Die qualitative Verbesserung von Bildungschancen – nicht nur in den Künsten – , in der Menschen ihre Talente adäquat ausbilden können, stellt einen Qualitätsgewinn für alle dar.

    Mehr lesen: Die inklusionsorientierte Hochschule - ein Qualitätsgewinn für alle

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    Programmleitung

    Angela Müller-Giannetti

     

    Jutta Schubert

    js@eucrea.de

     

     

     

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