Musik ist elementarer Bestandteil unseres Lebens, sie begleitet uns im Alltag, weckt Emotionen, schafft Erinnerung, unterstützt Entspannung und ist Ausdrucks- und Kommunikationsmittel. Musik hören und produzieren sollte jeden Menschen zugänglich sein – gleich welchen Alters oder welcher Voraussetzung. Möchte eine Person, die ihre Hand nur eingeschränkt bewegen kann, Geige spielen lernen wollen, so wird ihr meist nahegelegt, doch besser ein anderes Instrument zu wählen. Form und Handhabung der geläufigen Blas-, Blech-, Streich- oder Tasteninstrumente beziehen sich auf standarisierte Normwerte und variieren allenfalls in der Größe. Was wenig bekannt ist: Mittlerweile gibt es viele gute Beispiele klassischer Instrumente, die beispielsweise einhändig oder mit anderen Körperteilen bis zur Meisterleistung zu bedienen sind. Oder durch digitale Erweiterungen ganz neue Bedienungsweisen – und damit auch Ausdrucksweisen – ermöglichen. Und genau hier wird Vielfalt zur Quelle von Inspiration und Kreativität: Ein kleiner Kreis von Musikinstrumentenentwicklern aus aller Welt arbeitet derzeit an ganz neuen Möglichkeiten, Musik und Klang zu produzieren: Sei es durch die Bewegung der Augen, Bewegung und Tanz auf der Bühne oder Malerei. Was hier entsteht, eröffnet nicht nur neue Welten künstlerischer Inklusion, sondern ermöglicht „nebenbei“ ganz neue Spielräume für die Kunst.

 

Das Projekt SOUNDFORM bringt neue Impulse für Musik, Instrumentenbau und Musikvermittlung nach Deutschland

Mit SOUNDFORM startet EUCREA eine ganze Serie von Veranstaltungen, in denen neue Instrumente entwickelt oder klassische modifiziert werden.  Ziel der Veranstaltungsserie ist es, die Idee barrierearmer Musikinstrumente, die aktuell überwiegend im englischsprachigen Raum verfolgt wird, bekannter zu machen und Musikvermittler, Musikmacher sowie Instrumentenbauer und -programmierer zusammenzubringen und zu inspirieren.

Auftakt des Vorhabens bildete eine Design-Challenge im April 2018 in Kooperation mit der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) und DRAKE MUSIC (GB). DRAKE MUSIC hat sich zum Ziel gesetzt, neue Schnittstellen zwischen Musik und Elektronik zu erforschen, um mehr Menschen Zugang zu Music ermöglichen zu können. Unter der Leitung von Prof. Julia Lohmann und dem Produktdesigner Gero Grundmann wurden die Studierenden aufgefordert, individuelle Lösungen für drei Musiker mit Beeinträchtigung des in Hamburg ansässigen Künstlerkollektivs „barner 16“ zu entwickeln. Zwei Entwürfe, die aus der Challenge hervorgingen, werden nun weiterentwickelt: Eine Spielhilfe für Gitarre mit deren Hilfe es möglich ist, harmonische Akkorde zu spielen, ohne komplizierte Griffe mit einzelnen Fingern ausführen zu müssen. Außerdem entstanden ist ein sensitives Touchboard, das in einen Rollstuhltisch integriert werden kann. Durch die Bewegung der Hände über dem Touchboard werden digitale Klänge ausgelöst, die sich in Melodie und Rhythmus durch die Bewegung beeinflussen lassen.

Bis März 2019 experimentieren Hamburger Musiker mit und ohne Beeinträchtigung mit neuen digitalen Schnittstellen, die die Möglichkeiten inklusiver Musikproduktion unterstützen. Dabei handelt es sich z.B. um Interface-Lösungen, die digitale Klänge durch Bewegung des Körpers oder der Augen steuern lassen. Die Ergebnisse werden auf den in Hamburg folgenden Veranstaltungstagen präsentiert.

In Kooperation mit barner 16 (alsterarbeit gGmbH), dem Hamburger Konservatorium und der Hochschule für Musik und Theater wird ein Workshop- und Präsentationsprogramm entwickelt. Es folgt ein im deutschsprachigen Raum ausgeschriebenes, zweitägiges Symposium zum Thema mit Musikpräsentationen, Vorträgen und Instrumentenmarkt. Im Anschluss findet ein Treffen für Entwickler digitaler Schnittstellen und Musikinstrumente statt, um neue Entwicklungen in dem Arbeitsgebiet anzustreben.

 

Ansprechpartnerin: Angela Müller-Giannetti Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

Ein Projekt von EUCREA in Kooperation mit DRAKE MUSIC, barner 16/alsterarbeit und der Hochschule für bildende Künste HFBK gefördert durch die Aktion Mensch

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