FRIENDLY SOUNDFORMS


    Das Labor Friendly Soundforms begab sich im Rahmen von TRANSFORM auf eine akustische Forschungsreise ins Berliner Umland, um dort verschiedene Orte aus Sound zu proträtieren und Klangkompositionen in und mit ihnen zu schaffen.

    Die Gruppe von Friendly Soundforms stehen nebeneinander vor einem Backsteingebäude mit spiegelnden Fenstern und lächeln in die Kamera.
    Die Künstler:innen von rechts nach links: Katharina Hauke, Ismail Arslantürk, Till Bovermann, Heidi Bruck, Frank Schulz und künstlerische Assistenz Magdalena Oelmüller Rasch

    WAS IST FRIENDLY SOUNDFORMS?

    Friendly Soundforms ist eine Zusammenarbeit von einer Künstlerin und zwei Künstlern der Thikwa Werkstatt für Theater und Kunst, dem Kunstkollektiv friendly.organisms und unserer Umwelt. Die Zusammenarbeit bestand aus einem akustischen Tauschandel: Zum einen sammelten die Künstler*innen Geräusche und Töne von verschiedenen Orten und ihren Bewohnenden. Diese archivierten sie in Form von Fieldrecordings, um sie später im Tonstudio weiterzuverarbeiten. Zum anderen fügten sie durch das elektronische Soundsystem Systems∿Encounter, das speziell für Soundscape-Interventionen eingesetzt wird, Klänge zu den vorgefundenen Landschaften hinzu.

    WARUM FRIENDLY SOUNDFORMS?

    Menschlichen und Nicht-Menschlichen Organismen gleichermaßen Gehör zu schenken wird im Alltag oft vernachlässigt und erhält gleichzeitig immer größerer Bedeutung angesichts der aktuellen Zeitgeschehnisse. Friendly Soundforms sucht nach kreativen Möglichkeiten Organismen unterschiedlichste Größe zuzuhören, sich ihnen freundlich zu nähern und dadurch grundlegende Wechselwirkungen und Zusammenspiele unserer Mitwelt zu erforschen.

    WIE HAT FRIENDLY SOUNDFORMS GEFORSCHT?

    Im Frühjahr 2022 führte Friendly Soundforms vier Exkursionen zu zwei verschiedenen Orten durch, bei denen die Künstler*innen mit den dort lebenden Organismen in Kontakt traten, Fieldrecordings sammelten und mit dem Systems∿Encounter die Klanglandschaft erweiterten. In anschließenden Studiositzungen wurden die gesammelten Materialien zu Klangcollagen und Soundscape-Kompositionen verarbeitet und in mehreren Alben veröffentlicht.

    Februar: VORBEREITUNG UND KENNENLERNEN
    Katharina Hauke und Till Bovermann von friendly.organisms besuchten die Thikwa-Werkstatt für Theater und Kunst, um neun der dort ansässigen Künstler*innen zu treffen und ihnen das Vorhaben von Friendly Soundforms vorzustellen. Ausgehend von diesem Auftakt vervollständigte sich das künstlerische Team um Heidi Bruck, Ismail Arslantürk und Frank Schulz.
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    März: FELDFORSCHUNG IN DER KLANG-BÖRSE PT.1
    Gemeinsam lauschte Friendly Soundforms den Geräuschkulissen des Werkstattgeländes Zur Alten Börse 41. Zunächst nur mit den Ohren und dem Körper, später auch mit Hilfe verschiedener Mikrofone, Kontaktmikrofone und eines Geophons. In Teams erkundeten sie die Möglichkeiten des Soundwalking und spielten sich gegenseitig Live-Soundstücke vor.
    April: IM STUDIO
    Friendly Soundforms verbrachte zwei Tage im Studio von Pirate.com, um sich die Aufnahmen anzuhören und sie als Grundlage für die elektronische Klanggestaltung zu verwenden.
    Während die meisten Tage mit intensivem Zuhören und Klangperformances verbracht wurden, wurden auch Partituren für Auftritte erstellt und Strategien für das gemeinsame Performen entwickelt.
    April: FELDFORSCHUNG MIT FLOATING
    Friendly Soundforms verbrachten zwei Tage an und mit den Organismus von Floating Berlin, eine vom Menschen geschaffene und von der Natur zurückeroberte Umgebung nahe des Temperlohfer Felds. Die Gruppe identifizierte alle Arten von Organismen und ihre Nischen anhand ihrer Geräusche:Vögel, Gewässer, Menschen, Bienen, Schilf, Neuköllner Oper, um nur einige zu nennen....
    April: STUDIOARBEIT IN DEN NOISY ROOMS VON RAW
    Zurück im Studio, verbrachte Friendly Soundforms einen Tag damit, die eigenen Aufnahmen zu sichten, sowie frei mit dem System∿Encounter und in der Gruppe zu improvisieren. Dabei wurde mit  verschiedenen Setups experimentiert:
    Programmieren in Steno, Abmischen (was sich auf die Programmierentscheidungen auswirkt), Hinzufügen von Samples in den Mix über Ableton (was sich auf die beiden letzteren auswirkt) und Beeinflussen der Sounds durch Spielen mit der Kamera (was sich auf alle auswirkt), Programmieren in Steno (was sich auf das Spielen der Samples auswirkt) und so weiter.

    Ein solches Zusammenspiel kann frustrierend sein, da die Dinge in der Regel nicht so ablaufen, wie ein einzelner Spieler es möchte. Es gibt keine zentrale Entscheidungsfindung, sondern ein ständiges Aushandeln.
    Den einzelnen Spielerinnen, dem sich entwickelnden Sound, den entstehenden Duos usw. Raum zu geben, sind Herausforderungen in diesem Prozess. Sie sind aber auch die Stärke dieses Prozesses, eine mächtige Fähigkeit, die auf Zuhören basiert.

    WER IST FRIENDLY SOUNDFORMS?

    Friendly Soundforms sind die Künstler*innen Frank Schulz, Heidi Bruck und Ismail Arslantürk von Thikwa – Werkstatt für Theater und Kunst Berlin und das Kunstkollektiv friendly.organism, bestehend aus der Audio- und Videokünstlerin Katharina Hauke und dem Klangkünstler Till Bovermann.

    Während des Projekts beteiligten und fanden sich noch weitere Freundschaften und Kollaborierende. Zu diesen zählen und wird gedankt: Magdalena Oelmüller, Leonor Gaudêncio, Silke Stuck, Ute Lindenbeck, Silja Teresa Huppertz, Kevin Hamann und Christian Hebel, sowie die organisation floating, noisy-rooms und pirate studios.

    WAS IST "Systems – Encounter"?

    Ein Vortrag von Till Bovermann zu dem elektronischen Soundsystem Systems∿Encounter im Rahmen des Projekts SOUNDFORM von 2019.
    Im Rahmen einer einjährigen Studie kam 2013 ein Team von Designern, Künstlern und Toningenieuren zu- sammen, um Menschen mit schwerer Autismus die Teilnahme an zeitgenössischer elektronischer und digitaler Musikpraxis zu erleichtern. In mehreren Arbeitsphasen wurde gemeinsam ein ganzheitliches Klangerlebnis entwickelt, das die Umgebungsgeräusche ausgewählter Orte innerhalb des Hauses aufnimmt und verändert. Andererseits versammelten sich über die letzten drei Jahre verschiedene Gruppen von Musikern, um mit elektronischen Instrumenten Töne und Klänge aus der Umwelt einzufangen und damit zu arbeiten. Unter dem Titel "sonic wilderness interventions" führten die Beteiligten musikalische Gespräche zwischen den (nicht-)menschlichen Einheimischen und dem Ort, den sie klingend, vibrierend und für sich sprechend vorfanden. Was verbindet diese beiden Aktivitäten und was kann man daraus lernen? Till Bovermann wird versuchen, dieser Frage in seiner Präsentation nachzugehen.
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